Warum Windpocken die beste Kinderkrankheit der Welt sind!

Sophie fühlt sich elend. Der Kopf tut weh, sie möchte immer nur schlafen und hat die Decke bis zur Nasenspitze hochgezogen. Dabei wäre sie heute so gerne in die Schule gegangen, denn heute, so hat ihnen ihre Lehrerin Frau Schneider versprochen, heute würde sie ihnen das „W“ beibringen.
„W“ wie Windpocken, denkt Sophie, denn genau das hat der Doktor gesagt: „Sophie, Du hast Windpocken. Du musst heute auf jeden Fall zuhause bleiben, denn Windpocken sind gefährlich!“ Dabei hat er so komisch geguckt, findet sie. So, dass sie sich gar nicht mehr getraut hat, nach den Gummibärchen zu fragen, die sie sonst immer von ihm bekommt.
Und jetzt liegt sie hier und schläft und wartet auf mehr rote Punkte. Viele Punkte gehören nämlich zu Windpocken dazu. Bisher hat sie nur ein paar am Bauch, am Rücken und im Gesicht. Aber sie hat sich extra einen Spiegel ans Bett gelegt, damit sie es nicht verpasst, wenn sie wie ein Streuselkuchen aussieht. Nach einer Weile werden es tatsächlich immer mehr und Sophie kann zusehen, wie kleine rote Hügelchen in ihrem Gesicht auftauchen. Das Erstaulichste daran ist, das sie wie kleine Vulkane Luft pusten. WIND! Daher kommt also der Name: WIND–Pocken!
Je mehr Windpocken, desto mehr Wind, logisch. Sie zieht eine kleine Feder aus ihrem Kopfkissen und lässt sie von dem Pustewind durchs Zimmer tragen. Sophie lacht. Und fragt ihre Mama nach dem kleinen Drachen, den sie neulich geschenkt bekommen hat. Dann schlägt sie die Bettdecke zurück und lässt mit dem Wind von ihrem Bauch und ihrem Gesicht den kleinen Drachen bis zur Decke fliegen. Sophie findet das so lustig, dass sie die ganze Zeit kichern muss. Je mehr sie lacht, umso mehr Wind weht.
Lachen ist sehr gesund. Deshalb geht es ihr auch nach ein paar Tagen schon viel besser. So gut, dass sie beschließt, einen Spaziergang zu machen. Dafür muss sie sich ganz dick einmummeln, weil sie ja sonst Alles durcheinander wehen würde. Trotzdem passiert so Einiges: Als an dem Postboten vorbeikommt, weht es ihm alle Briefe aus der Hand. Die dicke Frau, die mit ihrem Hund Gassi geht, muss ihren Rock mit beiden Händen festhalten, weil Sophie zu ihr hingeschaut hat. Dabei lässt sie fast die Leine los. Das wäre wirklich schlimm gewesen, weil der Hund mittlerweile wie ein Luftballon hinter seinem Frauchchen herfliegt. Sophie muss sich sehr zusammenreissen, dass sie nicht schon wieder lachen muss. Das wäre für den Hund bestimmt gefährlich geworden! Jetzt versteht sie auch, was der Doktor damit gemeint hat, dass man mit Windpocken besonders vorsichtig sein muss! Schnell geht sie wieder nach Hause.
Am nächsten Morgen sind alle Punkte verschwunden und Sophie kann wieder in die Schule gehen. Fast vermisst sie ihre Windpocken ein bisschen. Was man in der Schule alles damit anstellen hätte können! Also, Windpocken sind ja wohl die allerbeste Kinderkrankheit der Welt!

Lucinde Hutzenlaub, geboren 1970, Autorin und Heilpraktikerin, lebt nahe Stuttgart, hat vier Kinder und lügt nie. Naja, fast nie.

Die Autorin/Der Autor empfiehlt ihre/seine Geschichte für Kinder von 7-10.

Erstellt am Mittwoch, 13.11.2013


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